Es hat sich in der letzten Zeit ein Trend entwickelt.

Liebe Musiker- & Künstlerkollegen da draußen.

Ich möchte euch mit diesem Artikel mal meine persönliche Meinung und Erfahrung zu einer Entwicklung auf dem Künstlermarkt darstellen.

Es hat sich in der letzten Zeit ein Trend entwickelt. Ein Trend, dass Musiker und Künstler von potentiellen Veranstalter immer wieder mal mit ich nenne es mal Sach- & Naturalleistungen vergütet wurden bzw. diese statt einer Gage angeboten bzw. angenommen wurden. Auch werden gerne mal Pauschalbeträge für Dauerengagements angeboten, die in keinster Weise mehr im Verhältnis zur erbrachten Leistung stehen.

Vorab: Jeder kann und darf machen was er für richtig hält. Ich möchte hier nur meine persönliche Meinung dazu kundgeben und zum Nachdenken anregen.

Beispiel 1: Ein Künstler oder ein Musiker bekommt eine Anfrage von einem Urlaubshotel (Beispielsweise auf den Kanaren, auf Malle oder sonst wo) mit dem Angebot in Diesem in einem Zeitraum von 2-3 Wochen auftreten zu „dürfen“. So ca. 2-3-mal in der Woche wird am Abend dann ca. 1,5h Stunden Musik gemacht bzw. eine Show gespielt. Im Gegenzug bekommt er Übernachtung, Verpflegung etc. kostenlos gestellt. Die Anreise jedoch muss er sogar noch selbst zahlen/organisieren.

Meinung 1: Auch wenn es für dich „cool“ ist und Du dieses Angebot als fair oder sogar überdurchschnittlich gut empfindest, bitte lass es sein! Entertainment im „Urlaub“ ist ein Geschäft, im Normalfall für Berufsmusiker/-künstler und wenn man das auf gutem Niveau betreibt, ist das harte Arbeit und bedarf guter und professioneller Vorbereitung. Ich kenne genug Kollegen, die so etwas machen, um sich selbst und ihre Familien zu ernähren. Selbst wenn ich einen „kostenlosen“ bzw. „kostengünstigen“ Cluburlaub toll finden würde, würde ich dieses Angebot ausschlagen, weil ich genau weiß welche Konsequenzen das für meine Kollegen hat. Mit einer solchen Handlung zerstörst Du Arbeitsplätze und das in einer Branche, bei der die Honorare und somit Gewinne zusehends schrumpfen. Sei dir darüber im Klaren, dass dein „Urlaub“ auf Kosten von Leuten geht, die mit einer solchen Tätigkeit sich selbst und ihre Familien ernähren. Ich empfinde solche Arbeitsangebote als höchst unanständig und moralisch verwerflich. Dass man sein Flugticket auch noch selber bezahlen muss, ist zudem noch einmal zusätzlich grotesk. Es spielt dabei auch überhaupt keine Rolle, wie „teuer“ ein Cluburlaub im „Normalfall“ ist, denn es ist und bleibt Ausbeute. Zumal zu prüfen wäre, wie es mit Versicherung usw. an deinem „Arbeitsplatz“ aussieht. Denn faktisch bist Du dort nicht im Urlaub, sondern „arbeitest“ als Dienstleister im Ausland, auch wenn die Bezahlung nicht in barer Münze, sondern anders erfolgt. Abgesehen davon müsste man sich mal überlegen, wie ein solches „Arbeitsangebot“ in Branchen ablaufen würde, die irgendwie an Gewerkschaften oder Tarifverträge gebunden sind. Ja, Musik & Entertainment ist toll, ich liebe Musik und schaue mir gerne Shows an, aber für viele ist sie eben auch ein Job und es haben auch die Hobbymusiker/-künstler eine Verantwortung diesen Leuten gegenüber. Lohndumping (denn genau das ist es) ist nie gut, zu keinem Zeitpunkt, in keiner Branche.

Jeder will Livemusik & Entertainmentshows, immer noch. NUR: Selbst diejenigen die vor 10 Jahren noch Gagen gezahlt haben, tun das heute nicht mehr oder nur noch sehr bedingt. Die Begründung dafür ist, dass der „Jupp“ mit seiner tollen DJ-Anlage von Conrad/Amazon kommt, ab 22:00 Uhr illegal heruntergeladene MP3 von seinem Laptop abspielt und vorher die „Flying Avocados“ uninspiriert die Megahits zum Vollplayback spielen. Dann meckert der Veranstalter irgendwann, dass Live Musik scheiße ist, weil die Leute ausbleiben usw… Es ist mittlerweile eine Endlosschleife, die nur noch nervt. Man hat nicht nur als „Hobby-Künstler/-Musiker“ eine Verantwortung, sondern immer und grundsätzlich, was solche Dinge angeht. Ist einfach so. Hat was mit sozialem Gewissen, Anstand und (Berufs)ethik zu tun.

Beispiel 2: Ein Gastronom (Kneipe, Disco etc.) bietet euch an in seiner Location kostenlos oder gegen Hutgeld auftreten zu „dürfen“ um euch seinem oder besser sogar noch euren mitgebrachten Publikum zu präsentieren.

Meinung 2: Auch hier liegt wie oben der „Hase im Pfeffer“. Sicher benötigt man als „Newcomer“ auch eine Plattform um sich bekannt(er) zu machen. Aber nicht auf dem Wege in dem sich ein Gastronom daran bereichert. Es gibt bundesweit immer irgendwelche Talentschuppen, Wettbewerbe oder Open Stages die meist auch gemeinnützig oder mit öffentlichen Geldern unterstützt/finanziert werden. Vergewissert euch vorher das es dort fair für beide Seiten zugeht, bevor ihr hier einen Deal eingeht der im Umkehrfall nur zur Folge hat, dass besagter Gastronom immer nen Dummen findet der für „lau“ vorbeischaut.

Beispiel 3: Ein Kreuzfahrtschiff bietet euch die „Möglichkeit“ für sie zu einem Pauschalbetrag tätig zu sein. Dafür dürft ihr dann täglich 1 Show spielen / den ganzen Abend über Musik machen. Verpflegung An Bord inklusive. Unterbringung in Mehrbettkabine.

Meinung 3: Dies möchte ich an einem konkreten Anfragemodell erläutern. Eine renommierte Reederei hat eine Band für ein Kreuzfahrtschiff im Zeitraum Mitte Dezember – Anfang Februar (etwa 40 Arbeitstage) gesucht. Anforderung war das es sich um eine mindestens 5-köpfige Liveband mit deutschsprachigem Repertoire, Sänger und Sängerin handeln muss, die täglich abends spielen sollte. Das Ganze zu einem Pauschalpreis von 22.000 €. An- & Abreise wird auch noch gezahlt allerdings wird das Sicherheitstraining (400,- € p.P.) noch abgezogen.  Klingt fair? Mit Nichten. Teile die oben angegebene Gage durch 5 Musiker und durch die Arbeitstage:

22.000,- / 5 Musiker= 4.400,- abzgl. Training (400,-) = 4000,- / 40 Tage = 100,- pro Tag. Das man nicht nur 1 Sunde pro Abend spielen wird dürfte wohl klar sein. Somit auch hier ein Modell das gegen die Wirtschaftlichkeit und die Existenz von Musikern arbeitet.

Eine ähnliche Anfrage lautete mal wie folgt: Regelmäßig (ca. 4x die Woche von März – Oktober) in 2 Hotels (Entfernung ca. 290 km) für einen Pauschalbetrag von 800,- € Gage auftreten. Zu erbringende Leistung: An allen Tagen je 2 Shows spielen sowie in jedem Hotel je 1x pro Abend als Alleinunterhalter aufspielen. Gehen wir mal nur von der 30-Cent-Reiskosten-Struktur aus, so fahre ich jede Woche 1160 km zu je 30 Cent (348 € Fahrtkosten). Bleiben also effektiv noch grob 450 € Gage / 4 Tage …… noch weiter brauch ich es wohl nicht erläutern, oder?

Ganz klar richten sich auch diese beiden Angebote nicht an einen Hobby-Entertainer, denn wie soll er das für diesen Zeitraum auch mit seinem Hauptberuf unter eine Hut bringen?
Ich könnte an dieser Stelle noch ausholen und auf die Herangehensweise zur Gagenberechnung näher eingehen. Da dies aber bereits in genügender Form in diverser Literatur oder im Web geschehen ist kann sich da jeder, der meint sein Wissen vervollständigen zu müssen, selbst informieren. Nur so viel: Auch der Nebenberuf verursacht Kosten die gedeckelt sein wollen.
Fazit: Werdet wach! Auch wenn ihr als nebenberufliche Kollegen nicht davon abhängig seid und somit eine niedrige(re) Gage nehmen könntet, so rate ich euch davon ab euch zum Deppen der Veranstalter machen zu lassen und deren Taschen zu füllen. Der Clubbesitzer verdient Geld mit dem was er macht, die Reederei oder das Hotel verdienen beide Geld mit dem was sie da machen. Warum sollte man also auf eben diese Einnahme verzichten bzw. denen etwas schenken?

Es geht hier nicht darum den Berufsstand zu retten oder eine Gagendiskussion zu entfachen, sondern um die Wertschätzung seitens der Veranstalter für das was ihr auf der Bühne macht.

Warum werden die Gagen im Hobbybereich denn immer geringer? Auch hier gibt es mehrere Ansätze. Wenn ich als Hobby-Künstler so einen Job annehmen möchte, weil ich damit gleichzeitig auch in den Genuss komme all die Vorzüge genießen zu können, die so ein Club mit sich bringt, ist es völlig ok. Auch das ein Hobbymusiker weniger Gage bekommt als ein Profi ist letztendlich nachvollziehbar auf Grund der geringeren Kostenstruktur/ Deckelung der Kosten durch Hauptjob.

Im Sinne vieler Hobbymusiker wird in vielen Bereichen leider sehr egoistisch gedacht und es wird vergessen das es einen dadurch selber treffen wird. Der Kunde spielt uns gegeneinander aus, sofern wir es zulassen.

Um es auf den Punkt zu bringen: Wirtschaftlich betrachtet sind diese Art von Jobs nix, denn die Miete ist weiter fällig, nur um ein Beispiel zu nennen. Vergiss die Urlaubsargumentation, den möglichen Publicity-Schub. Es geht um die Verantwortung einen Job zu erfüllen. Und wenn hier stattdessen ein entsprechender angemessener Ausgleich stattfindet sind auch alle zufrieden und es macht sogar noch mehr Spaß.

Also…. Denk mal lieber nochmal drüber nach bevor du eines der oben aufgeführten oder ähnlichen Angebote annimmst…

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